DIRKYDIRK
24.12.2011 08:57
|
Die 8-jährige Virginia O'Hannlon aus New York wollte es ganz genau wissen. Darum schrieb sie an die Redaktion der Tageszeitung "The Sun" den folgenden Brief:
"Hallo, ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der 'Sun' steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir, gibt es einen Weihnachtsmann? Virginia O'Hannlon".
Die Sache war dem Chefredakteur Francis P. Church so wichtig, daß er selber antwortete. Und zwar auf der Titelseite der "Sun":
„Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie glauben nur, was sie sehen. Sie glauben, daß es nicht geben kann, was sie mit ihrem eigenen kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschen Geist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein ganz winziges Insekt. Und ein solcher Ameisenverstand reicht natürlich nicht aus, um die ganze Welt zu erfassen und zu begreifen. Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiß, wie die Liebe, Großherzigkeit und die Treue. Und weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe? Es gäbe dann auch keine Virginia, keinen Glauben, keine Poesie. Einfach gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Nur ein kleinster Flackerrest an sichtbarem Schönem bliebe übrig.
Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müßte verlöschen. Es gibt einen Weihnachtsmann, sonst könntest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiß, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von Ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht. Aber was würde das beweisen? Denn kein Mensch sieht ihn einfach so, das beweist auch gar nichts.
Die wichtigsten Dinge im Leben sind unsichtbar. Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf Mondwiesen tanzen. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken, geschweige denn sie zu sehen, das vermag noch nicht einmal der Klügste auf der Welt. Was Du auch siehst, Du siehst nie Alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen, bunten Farbfiguren suchen. Du wirst aber nur einige bunte Scheiben finden, nichts weiter... Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt. Einen Schleier, den nicht einmal alle Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube, Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und die Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein...
'Ja, ist das denn auch wirklich wahr?', kannst Du fragen.
Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger. Der Weihnachtsmann lebt. Und er wird ewig leben. Sogar in zehn mal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen. Frohe Weihnachten, Virginia.
Dein Francis P. Church."
p.s.:
Dieser Briefwechsel zwischen Virginia O'Hannlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Er wurde über ein halbes Jahrhundert, bis zur Einstellung der "Sun" alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der Zeitung abgedruckt.
|